Die Apple Vision Pro, die uns ins Zeitalter des „Spatial Computing“ führen sollte, scheint hinter den Kulissen eine Reihe von Rückschlägen erlitten zu haben, die nicht nur auf die Technologie selbst, sondern auch auf Apples Umgang mit seinen Mitarbeitern zurückzuführen sind. Ein neues Buch, „Rebellion: The Rise and Revolt of the Educated Working Class“ des Journalisten Noam Schieber, enthüllt, dass das sich im letzten Jahrzehnt verschlechternde Arbeitsklima in den Apple Stores direkt zum enttäuschenden Marktstart der Brille Anfang 2024 beigetragen hat. Das Buch legt nahe, dass Personalabbau, mangelnde Schulungen und eine übermäßige Fokussierung auf Verkaufszahlen die Mitarbeiter unzureichend auf den Umgang mit einem so komplexen Produkt vorbereitet haben.

„Hastige“ Ausbildung und übermäßige Geheimhaltung
In einer mysteriösen Reise nach Cupertino transportierte Apple Hunderte von Mitarbeitern unter strenger Geheimhaltung zu Schulungen an der neuen Datenbrille. Sogar ihre Handys wurden konfisziert, um jegliche Leaks zu verhindern. Ziel war es, ein Überraschungsmoment zu wahren, doch die Realität in den Apple Stores sah ganz anders aus. Nach ihrer Rückkehr mussten die Mitarbeiter vierstündige Workshops leiten, während viele Verkäufer nur oberflächlich geschult wurden und teilweise lediglich 20 Minuten praktische Erfahrung mit der Brille sammeln durften, bevor sie diese an Kunden präsentierten.

Diese mangelnde Vorbereitung führte dazu, dass die Mitarbeiter in einem komplexen Szenario, das das Scannen des Gesichts eines Kunden, die Auswahl aus 25 Schutzabdeckungen und die Anleitung des Benutzers durch die Augen- und Handsteuerung erforderte, überfordert waren. Schlimmer noch: Einige Mitarbeiter hielten Präsentationen mit unklarem oder verschwommenem Inhalt, ohne es zu bemerken, aufgrund einfacher Passformfehler, für deren Erkennung sie nicht geschult waren. Dies hinterließ bei den Kunden einen schlechten ersten Eindruck von einem Produkt, das Tausende von Dollar kostete.
Von Jobs' Philosophie bis zu Tim Cooks Zahlen
Das Buch zeichnet den radikalen Wandel der Identität der Apple Stores seit Steve Jobs' Ausscheiden und Tim Cooks Aufstieg zur Führungsspitze nach. Jobs setzte auf eine feste, gut bezahlte Belegschaft, basierend auf der Theorie, dass sich Kunden von Mitarbeitern, die sich „zweitklassig“ fühlen, genauso behandelt fühlen. Unter Cook wurde dieses Modell jedoch schrittweise zugunsten von Kostensenkung, verstärktem Einsatz von externen Dienstleistern und dem Wechsel von langen interaktiven Schulungen zu kurzen, selbstgesteuerten Lernmodulen abgebaut.

Nach dem Ausscheiden von Angela Ahrendts, die Jobs' Vision bewahren wollte, lenkte Deirdre O'Brien die Geschäfte stärker auf traditionelle Einzelhandelskennzahlen: Geräteaktivierungsraten, Zubehörverkäufe und AppleCare+-Abonnements. Selbst kreative Positionen, die sich auf die Kundenaufklärung konzentrierten, wandelten sich immer mehr zu direktem Produktmarketing und beraubten die Geschäfte ihrer individuellen Note.
Ein teures Gerät, das sich die Mitarbeiter nicht leisten können.
Vision Pro hatte auch mit internen Herausforderungen zu kämpfen, wie dem hohen Gewicht, der begrenzten App-Auswahl und dem Startpreis von 3500 US-Dollar, der mit Zusatzfunktionen schnell auf 4000 US-Dollar anstieg. Erschreckenderweise konnten sich die meisten Mitarbeiter das Gerät selbst mit 25 % Rabatt nicht leisten und hatten somit keine Möglichkeit, sich außerhalb der Arbeitszeit mit dem Produkt vertraut zu machen. Da das umfangreiche Präsentationsskript schwer zu merken war, durften die Mitarbeiter es später auf einem iPad lesen, was von einigen als nachteilig empfunden wurde, da es die Präsentation automatisiert und langweilig erscheinen ließ.

Die Zahlen sprechen für sich: Während Apple im ersten Jahr 10 Millionen Uhren verkaufte, erreichten die Verkäufe der Vision Pro im Jahr 2024 kaum 500 Einheiten. In manchen Geschäften, wie beispielsweise in Towson, berichteten Mitarbeiter von ganzen Wochen, in denen sie kein einziges Exemplar verkauften, und verzeichneten aufgrund hoher Retouren teilweise sogar negative Verkaufszahlen. In einem verzweifelten Versuch, das Kundenerlebnis zu retten, lockerten einige Geschäfte ihre Verkaufsrichtlinien, erlaubten den Mitarbeitern mehr Freiraum für Improvisation statt eines vorgegebenen Gesprächsleitfadens und senkten sogar das Mindestalter für die Anprobe. Doch all das half der Vision Pro nicht, ihren schwierigen Marktstatus zu überwinden.
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