Wussten Sie, dass die Römer die Zeit anhand der Regierungszeiten ihrer Kaiser datierten und dass Technikbegeisterte die historische Landkarte in zwei Epochen unterteilt haben: die Zeit vor Google (1998, als Suchmaschinen wie AltaVista und Yahoo! verschwanden) und die Zeit nach Google? Heute stehen wir vor einem ähnlichen Wendepunkt, allerdings mit anderen Regeln. Die Machtverhältnisse werden nicht mehr dadurch bestimmt, wer die meisten Innovationen hervorbringt, sondern dadurch, wer den Nutzer als Erster erreicht und sich quasi auf dessen Bildschirm einnistet. Deshalb herrscht ein erbitterter Wettlauf zwischen OpenAI Google kämpft darum, wer seine KI auf Apple-Smartphones installieren darf. Der Gewinner wird den Konkurrenten vom Thron stoßen und die Spitzenposition einnehmen. Dieser Artikel beleuchtet dieses spannende Rennen und untersucht, wie viel ChatGPT Apple zahlen wird, um die Standard-KI für iPhones zu werden.

Die Geschichte wiederholt sich auf unterschiedliche Weise

Vor über zwei Jahrzehnten revolutionierte eine einzige Suchmaschine das Internet und verdrängte ihre Konkurrenten, bis Google zum Synonym für Suche selbst wurde. Doch im November 2022 ereignete sich ein seismischer Umbruch, der die Kalkulationen des Suchmaschinenriesen erschütterte: Der Chatbot ChatGPT wurde eingeführt und bedrohte Googles Position als weltweit führende Wissensquelle. Der Schock lag nicht nur in der Leistungsfähigkeit von ChatGPT, sondern auch in seiner Geschwindigkeit und der Fähigkeit, das Nutzerverhalten zu beeinflussen. Plötzlich tippten die Menschen keine Schlüsselwörter mehr ein, sondern stellten vollständige Fragen und warteten auf fertige Antworten. Dieser Moment weckte Erinnerungen daran, wie Google in der Vergangenheit andere Suchmaschinengiganten vom Thron gestoßen hatte – doch diesmal war Google selbst an der Reihe.
Als der Zauber dem Magier zum Verhängnis wurde

Jahrelang war sich Google dessen nicht bewusst, obwohl es über alle Voraussetzungen für eine dominante Stellung verfügte, darunter ein Team von Wissenschaftlern, Transformers (eine Art neuronales Netzwerk zur Verarbeitung sequenzieller Daten) sowie firmeneigene Hardware und Prozessoren speziell für künstliche Intelligenz. Wie Nokia ruhte sich das Unternehmen auf seinen Lorbeeren aus. Dann stahl ChatGPT allen die Show. Ironischerweise hatte Google die Transformer-Architektur entwickelt, auf der ChatGPT basierte. Doch mit der Veröffentlichung von Gemini 3, einer Version, die die Angst und Besorgnis von Googles Büros zu OpenAI verlagerte und eine neue, intensivere Phase im KI-Wettlauf einläutete, wendete das Unternehmen das Blatt.
Standardeinstellungen: Leistungsaufnahme, die nicht geändert werden kann

Künstliche Intelligenz ist heutzutage alles andere als selten; ganz im Gegenteil. Es gibt unzählige Modelle, die sich in Tests und Leistungszahlen messen. Doch die einfache Wahrheit ist: Dem Durchschnittsnutzer ist es egal, wer diese Tests gewinnt. Für ihn zählt nur, ob das Tool kostenlos ist, sofort funktioniert und sich ohne Konfiguration in sein Smartphone integrieren lässt. Wie Sie wissen, gilt im Technologiesektor, insbesondere bei Geräten und Smartphones, eine unumstößliche Wahrheit: Der Durchschnittsnutzer ändert nie die Standardeinstellungen. Wir nutzen, was bereits auf unseren Smartphones installiert ist. Deshalb war Windows so dominant – weil es auf Computern vorinstalliert war. Und deshalb war Google so dominant – weil es die Standardsuchmaschine war. Künstliche Intelligenz entwickelt sich heute in dieselbe Richtung. Das Modell, das auf Smartphones vorinstalliert sein wird, wird also das Rennen machen.
Warum ist das iPhone das neue Schlachtfeld der künstlichen Intelligenz?

Man könnte sich fragen, warum es einen Wettbewerb darum gibt, wer die virtuelle KI für iPhones sein wird? Die kurze Antwort lautet: Bei Android-Handys ist der Kampf so gut wie entschieden, da Google das System besitzt und Gemini daher der Gewinner sein wird und zweifellos auf Android-Handys vorinstalliert sein wird.
Aber wie sieht es mit dem iPhone aus? Die Lage ist noch lange nicht geklärt. Apple hat noch kein eigenes Flaggschiffmodell, daher besteht für OpenAI und sein ChatGPT-Modell noch eine Chance. Um sich durchzusetzen, muss ChatGPT jedoch Milliarden investieren, ähnlich wie Google, um die Standardsuchmaschine auf Apple-Telefonen zu bleiben.
Die Frage ist hier: Wie viel wird ChatGPT Apple zahlen, um die Standard-KI für iPhones zu werden? Die Geschichte lässt vermuten, dass die Summe astronomisch sein könnte. Verhandlungen zwischen Apple und OpenAI über eine jährliche Gebühr zwischen 5 und 10 Milliarden US-Dollar für die Integration von ChatGPT in ausgewählte Anwendungen oder Siri werden voraussichtlich bald beginnen. Sollte ChatGPT anschließend von den Nutzern angenommen werden und unverzichtbar werden, könnte die Summe in die Höhe schnellen und möglicherweise 20 Milliarden US-Dollar übersteigen.
Diese Zahlen basieren auf Analysen und Schätzungen. Suchmaschinen generieren direkte Einnahmen aus Werbung für jede Suchanfrage. Bei Chatbots ist dies anders, da deren Einnahmen nicht aus Werbung, sondern aus Abonnements oder kostenpflichtigen Tarifen für erweiterte Funktionen stammen.
Wenn OpenAI sich letztendlich in iOS etablieren kann, verschafft ihm das einen strategischen Vorteil, der seine Vormachtstellung für Jahre sichern würde. Sollte Apple jedoch ein eigenes Modell entwickeln oder eine Partnerschaft mit Google eingehen, könnte Sam Altman dasselbe Schicksal ereilen wie Netscape, das von Internet Explorer und Chrome überholt wurde.
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